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Warum schreiben wir Glas und Gras mit s und nicht mit ß wie bei Maß ? Die Wörter klingen doch ganz gleich.
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Eine kluge Frage. Für den Klang der Wörter ist unsere Frau Laut zuständig. Die hat aber nur hilfesuchend zu Herrn Wort hinübergeschaut, als ich ihr diese Frage vorgelesen habe. Herr Wort
und Frau Laut haben sich angesehen, so als ob sie sich nicht entscheiden könnten, wer diese Frage beantworten sollte. Doch dann kam keiner von beiden zu Wort, weil Frau Kurz schneller war.
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Sag ich doch! Wir sollten einfach so schreiben, wie wir sprechen. Dann gäbe es diesen blöden Buchstaben ß gar nicht erst. In der Schweiz brauch man diesen Buchstaben doch auch nicht. Und die Schweizer können genauso schnell lesen wie wir. Nirgendwo auf der Welt ist dieser Buchstabe bekannt. Also: Weg damit. Das ist auch für Kinder viel einfacher.
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Hallt! Halt! Nicht so schnell, Frau Kurz. Ganz so unsinnig ist der Buchstabe nicht. Schließlich können wir beim Lesen hierdurch ganz schnell entscheiden, ob der vorausgehende Vokal kurz oder lang gesprochen wird.
Wird das [s] *) stimmlos gesprochen, dann schreiben wir nach langem Vokal ein ß und nach kurz gesprochenem Vokal ein ss.
Ein Beispiel:
- die Maße (messen) - die Masse (eine Menge von etwas)
- der Schoß (auf dem Schoß sitzen) - ich schoss (schießen)
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Aber das beantwortet die Frage der Kinder doch gar nicht. Auch bei den Wörtern Glas und Maß ist das [s] stimmlos. Bei beiden Wörtern wird der vorausgehende Vokal lang gesprochen. Und trotzdem schreiben wir bei einem Wort s und bei dem anderen ein ß.
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Stimmt! Und das hängt davon ab, wo dieser Buchstabe steht. Am Wortende sprechen wir nämlich immer ein stimmloses [s]. Wenn wir von der Lautung ausgehen, dann können wir am Wortende nie
ganz sicher sein, wie dieser Laut [s] geschrieben wird. Und genau dass ist das Problem und die Frage der Kinder.
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Also jetzt versteh ich gar nix mehr. Wie denn? Was denn? Wie sollen die Kinder denn jetzt herausfinden, wann sie s wie bei dem Wort Gras und wann sie ß wie bei dem Wort Maß schreiben sollen.
Ich hab das Gefühl, wir drehen uns hier im Kreis!
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Langsam, langsam, Frau Kurz. Ganz so schwierig ist das nicht.
- Halten wir fest: Am Wortende sprechen wir immer ein stimmloses [s].
- Geht dem [s] ein Konsonant voraus, dann schreiben wir s und es bleibt dabei z. B. Fels - Felsen, Hals - Hälse, Fuchs - Füchse, Krebs - Krebse
- Ist der vorausgehende Vokal kurz, dann schreiben wir ss .
Beispiele: Fass, nass, kess, Biss, Schloss, Kuss, muss, Schluss und so weiter.
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- Ist der vorausgehende Vokal lang, dann können wir s oder ß schreiben. Um die richtige Schreibung herauszufinden müsst ihr das Kontrollwort bilden.
- Wird im Kontrollwort aus dem stimmlosen [s] *) ein stimmhaftes [z] *), dann schreiben wir s.
- Bleibt im Kontrollwort das stimmlose [s] erhalten, dann schreiben wir ß.
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Hier einige Beispiele:
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- Im Kontrollwort wird aus dem stimmlosen [s] ein stimmhaftes [z].
Daher schreiben wir s :
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- Im Kontrollwort bleibt das stimmlose [s] erhalten. Daher schreiben wir ß :
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Also: Wenn du am Wortende ein stimmloses [s] hörst, dann bilde das Kontrollwort. So kannst du sicher entscheiden, ob du s oder ß schreiben musst.
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Auf der nächsten Seite findest du verschiedene Wörterlisten mit Wörtern, in denen du [s] am Wortende hörst.
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*) In der international gebräuchlichen Lautschrift schreibt man
- für das stimmlose s dieses Zeichen: [s] und
- für das stimmhafte s schreiben wir [z].
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