|
Prinzessin auf der Erbse
Es war einmal ein richt’ger Prinz, nicht so ein Mann wie Kunz und Hinz. Der suchte passend eine Frau, die Brautschau nahm er sehr genau.
Die eine war zu dick und breit, der andern fehlte Heiterkeit. Die dritte war zu dünn und lang, doch zähmte nichts des Freiers Drang.
Vollkommen sollt’ die Seine sein, Gesicht und Hand wie Elfenbein, geduldig, klug, voll Zartgefühl. Doch keine passte ins Kalkül.
Da, eines Abends, ziemlich spät, erscheint vor seiner Majestät ein Mädchen, nass bis auf die Haut, und sagt, sie sei des Prinzen Braut.
Da schaut die alte Königin genauer auf das Mädchen hin. Geschockt von seiner nassen Robe, stellt sie das Kind auf eine Probe,
legt unter zwanzig Bettmatratzen – auf denen sollt’ das Mädchen ratzen – nur eine einz’ge Erbse hin. Was führte sie damit im Sinn?
Am Morgen traf man sich am Bette und fragte, wie geruht sie hätte. Das Mädchen sprach: „Es lag, ich wette, wohl eine Erbse unterm Bette.
Darum Hab’ ich äußerst schlecht geschlafen. Wofür verdien’ ich solche Strafen?“ Da wusste unser Prinz genau: „Das ist für mich die richt’ge Frau!“
Die Hochzeit folgte kurz danach. Die Erbse kam ins Kunstgemach.
Für wen wär’ das die rechte Frau mit solchem zarten Körperbau und einem leisen Flüsterkehlchen? Wer wünscht sich heute solch ein Seelchen?
Sich wünschen tät’s wohl mancher Mann. Doch weil er sich’s nicht leisten kann, so überlässt er solch’ Affären den Königen und Millionären.
|