Prinzessin auf der Erbse

Die Redensart wird für einen feinfühligen Menschen verwendet. Der Ausdruck kann aber auch abwertend gemeint sein. Dann meinen wir einen überempfindsamen oder pingeligen oder auch hochnäsigen Menschen.

 

 

Der Ausdruck stammt von dem gleichnamigen Märchen von Hans Christian Andersen (erschienen im April 1837). Eine Königin und ein König suchen für ihren Sohn, den Prinzen, eine Frau. Eines Tages kommt ein Mädchen an das Schlosstor und behauptet eine Prinzessin zu sein. Um zu prüfen, ob das Mädchen eine wirkliche Prinzessin ist, legt die Königin in das Bett des Mädchens eine Erbse und darüber zwanzig Matratzen und zwanzig Daunendecken. Am nächsten Tag fragt die Königin das Mädchen, wie es geschlafen habe: „Schrecklich”, sagt das Mädchen. „ich habe kein Auge zugetan. Es war als ob ich auf etwas hartem gelegen hätte.” Da wusste die Königin, dass dieses Mädchen eine Prinzessin sein musste. Denn nur eine Prinzessin konnte so feinfühlig sein, dass sie durch zwanzig Matratzen und zwanzig Daunendecken hindurch die Erbse spüren konnte.

Die ganze Geschichte findest du hier oder hier oder hier.

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Bildquelle
mit freundlicher Genehmigung der Hans-Christian-Andersen - Volksschule - Wien

 

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Nicht nur für Erwachsene gibt es dieses Märchen in Verse gesetzt von Huber Micheel:

 

 

Prinzessin auf der Erbse

Es war einmal ein richt’ger Prinz,
nicht so ein Mann wie Kunz und Hinz.
Der suchte passend eine Frau,
die Brautschau nahm er sehr genau.

Die eine war zu dick und breit,
der andern fehlte Heiterkeit.
Die dritte war zu dünn und lang,
doch zähmte nichts des Freiers Drang.

Vollkommen sollt’ die Seine sein,
Gesicht und Hand wie Elfenbein,
geduldig, klug, voll Zartgefühl.
Doch keine passte ins Kalkül.

Da, eines Abends, ziemlich spät,
erscheint vor seiner Majestät
ein Mädchen, nass bis auf die Haut,
und sagt, sie sei des Prinzen Braut.

Da schaut die alte Königin
genauer auf das Mädchen hin.
Geschockt von seiner nassen Robe,
stellt sie das Kind auf eine Probe,

legt unter zwanzig Bettmatratzen –
auf denen sollt’ das Mädchen ratzen –
nur eine einz’ge Erbse hin.
Was führte sie damit im Sinn?

Am Morgen traf man sich am Bette
und fragte, wie geruht sie hätte.
Das Mädchen sprach: „Es lag, ich wette,
wohl eine Erbse unterm Bette.

Darum Hab’ ich äußerst schlecht geschlafen.
Wofür verdien’ ich solche Strafen?“
Da wusste unser Prinz genau:
„Das ist für mich die richt’ge Frau!“

Die Hochzeit folgte kurz danach.
Die Erbse kam ins Kunstgemach.

 

Für wen wär’ das die rechte Frau
mit solchem zarten Körperbau
und einem leisen Flüsterkehlchen?
Wer wünscht sich heute solch ein Seelchen?

Sich wünschen tät’s wohl mancher Mann.
Doch weil er sich’s nicht leisten kann,
so überlässt er solch’ Affären
den Königen und Millionären.

 

Mit freundlicher Genehmigung des Autors entnommen aus:
Hubert Micheel: Alte Märchen – einmal anders; epubli, Berlin 2009
zu beziehen über E-Mail

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