Warum schreiben wir gucken mit einem g am Anfang? - “Wir sprechen das Wort doch am Anfang mit [k], also [kucken] ?

Bi-GO-Kurz-120Wieso mit k ? Ich habe im Wörterbuch nachgeschlagen - und da finde ich das Wort ‘kucken’. Also können wir kucken oder gucken schreiben.

Außerdem war ich kürzlich im Kino und habe da den folgenden Film gesehen:

DVD-Kuckmal-1 oder den DVD-Kuckmal-3 oder DVD-Kuckmal-2

Da kann ich die Frage ganz gut verstehen. Was ist denn jetzt richtig gucken oder kucken ?

 

Bi-GO-Wort-120Tatsächlich gibt es beide Wörter: gucken und kucken. Mit k wird die norddeutsche Variante des Wortes gesprochen. In die hochdeutsche Sprache ist jedoch die mitteldeutsche Variante (gucken) aufgenommen worden. Und in der süddeutschen Mundart wird auch ein deutliches [g] gesprochen (“gugg amol”)

Bi-GO-Laut-120Im norddeutschen Sprachraum werden die ‚weichen’ Konsonanten häufig hart ausgesprochen. So hat sich die Aussprache [kucken] für gucken zumindest im norddeutschen Sprachraum durchgesetzt. Zunehmend finden wir aber auch im süddeutschen Sprachraum die Aussprache mit [k] am Wortanfang.

Bi-GO-fremd-120Die ‘harten’ Konsonanten finden wir nicht nur in Norddeutschland, sondern in vielen nordgermanischen Sprachen. Schau dir einmal die Übersetzungen des Wortes an. Die Holländer und Dänen sprechen hier auch ein [k]. An den Übersetzungen kannst du auch erkennen, dass unser Wort kucken viel mit dem norddeutschen kieken gemein hat.

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Übersetzungen, Fremdsprachen

gucken-fw-150

 

MWS 2 Nr. 539 LV 21

Wortart: Verb

Ableitungen: gucken - ich gucke, du guckst, er guckt

Verben: abgucken, angucken, aufgucken, ausgucken, begucken, hingucken, nachgucken, umgucken, vergucken, weggucken

Nomen: Ausguck

Adjektive: -

Personenbezeichnungen: Gucker

sonstige: -

Zusammensetzungen: Guckfenster, Guckkasten, Guckloch, Sterngucker, Topfgucker

Auf der Karteikarte des Modellwortschatzes findest du nur einen Teil der vom Grundwort gucken abgeleiteten Wörter. Die folgende Liste ist eine nahezu vollständige Liste der Ableitungswörter:

gucken (38): abgucken, angucken, aufgucken, ausgucken (Ausguck, Ausguckloch, Ausguckmann), begucken, durchgucken, ferngucken, Guckauge, Gucken, guckend, Gucker (Guckerin, Himmelsgucker, Hingucker, Operngucker, Sterngucker, Topfgucker), Guckerei, Guckfenster, Guckkasten, Guckloch, herausgucken, herumgucken, hervorgucken, hinausgucken, hineingucken, hingucken, hinübergucken, hochgucken, nachgucken, umgucken, vergucken, vorgucken, weggucken, zugucken

 

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Bi-GO-unterschied-120Das Wort gucken wird meist umgangssprachlich verwendet. Hierfür kannst du auch schauen oder sehen verwenden.

Du findest das Wort in verschiedenen Redewendungen:

  • jemandem über die Schulter gucken/schauen/sehen - jemandem zusehen
  • in die Röhre gucken - leer ausgehen; benachteiligt werden; nichts abbekommen; das Nachsehen haben
    in die Röhre gucken - fernsehen 
  • Na, wollen mal gucken! Gucken wir mal! - Wir werden abwarten, wie sich die Sache entwickelt! Lassen wir es auf uns zukommen! 
  • in den Mond gucken / in den Eimer gucken / mit dem Ofenrohr ins Gebirge gucken - nichts abbekommen; benachteiligt werden; nicht berücksichtigt / beachtet werden; das Nachsehen haben
  • um die Ecke gucken - schielen 
  • wie ein Auto gucken - sich wundern; überrascht sein 
  • zu tief in die Flasche gucken -
  • zu tief ins Glas / in den Becher gucken - zu viel Alkohol trinken 
  • bedröppelt (aus der Wäsche) gucken - traurig / enttäuscht gucken 
  • dumm aus dem Anzug / der Wäsche gucken - verblüfft / überrascht sein; töricht gucken 
  • jemandem auf die Finger gucken - jemanden kontrollieren / genau beobachten 
  • gucken, wie eine Gans, wenn es donnert - verblüfft / überrascht sein 
  • nicht aufs Geld gucken - nicht aufs Geld achten; großzügig sein 
  • wie ein Schwein ins Uhrwerk gucken - von einer technischen Sache nichts verstehen und überfordert / ahnungslos / ratlos dreinschauen 
  • über den (eigenen) Tellerrand gucken - offen sein für Neues, Ungewohntes; weltoffen sein; neue Eindrücke bekommen; sehen, wie andere Menschen leben; einen weiten Horizont haben 

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Bi-GO-Wort-120Im Gebrauchswortschatz der deutschen Gegenwartssprache kommt das Wort gucken ca. 15 mal häufiger vor als das Wort kucken. Bei den Zitationen deutscher Zeitungen finden wir erstaunlicherweise beide Schreibungen:

Beispiele:

Kucken

  • Am Abend um sechs ist sie wieder beendet gewesen, und seitdem ist der Status quo ante wiederhergestellt, d.h. wir sitzen wieder in unseren Wohnungen und kucken raus. (Quelle: Die Zeit 2002)
  • Und schöne Bilder malt sie, die kucken wir uns gerade in einer dicken Mappe an, damit wir ungestört nebenher die Szenerie betrachten können. (Quelle: DIE WELT 2001)
  • Da kann man sich anonym und es im Dunkeln allen zeigen, auch wenn die gar nicht kucken. (Quelle: DIE WELT 2001)
  • Spielt vor halbleeren Reihen, ungefähr vier von fünf vor der Bühne sind Männer, und die kucken skeptisch, weil sie das mit dem Jazz geglaubt haben. (Quelle: DIE WELT 2001)

Gucken

  • Gucken Sie ins Telefonbuch. (Quelle: BILD 2001)
  • Gucken Sie ins Buch, auf Anhieb zu bestimmen. (Quelle: Berliner Zeitung 2001)
  • Zum Gucken gibt es das Buch: Auf 32 bunten Seiten befragt Peter Lustig einen Steinzeitforscher über das Leben seiner Vorfahren. (Quelle: Berliner Zeitung 2001)
  • (FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper) "Gucken Sie sich die Fußball-WM an, da ist Nachtreten auch nicht erlaubt." (Quelle: Schweriner Volkszeitung Online)
  • Gucken wir uns eben eine Soap auf der Bühne an. (Quelle: Junge Welt 2000)
  • Gucken Sie doch mal aus dem Fenster. (Quelle: Die Zeit 2003)
  • Gucken Sie bei Büchern nur auf den Inhalt? (Quelle: Die Welt Online)
  • Gucken Sie sich mal an, wie lange Kohl regiert hat. (Quelle: Süddeutsche Online)
  • Gucken Sie mal genau hin! (Quelle: BILD 2001)

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