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Warum schreibt wir Henne und nicht *Hänne ? Das Wort ist doch von Hahn abgeleitet.
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Eine spannende Frage: Wer war zuerst da, die Henne oder der Hahn? Vielleicht kann uns Herr Alt weiterhelfen. Er ist schließlich unser Experte für Wortgeschichten.
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„Natürlich der Hahn.“, war seine knappe Antwort.
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Eine so kurze Antwort von Herrn Alt ist sehr ungewöhnlich. Entweder ist er sich in einem solchen Fall sehr sicher oder aber er hat keine richtige Lust, sich auf eine Diskussion mit seinen Kolleginnen und Kollegen einzulassen. Nicht ungewöhnlich hingegen ist, dass Frau Kurz sich mit kurzen Antworten von Herrn Alt nicht zufrieden gibt.
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„Solch ein Quatsch!“, entfuhr es Frau Kurz. „Ohne die Henne gäb es kein Ei und ohne Ei keinen Hahn.“
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„Aber Frau Kurz! Es geht hier doch um die Geschichte der Wörter und nicht um die Geschichte der Hühner.“, mischte sich Herr Wort ein. „Also Herr Alt: Warum soll das Wort Hahn älter sein als das Wort Henne?“
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„Unser gemeines Haushuhn war schon den Germanen bekannt. Der Hahn hieß: *hanōn und die Henne: *han-jō, was soviel wie ‚Weibchen des Hahns’ bedeutete. Im altdeutschen (also vor dem Mittelalter) wurde hieraus han und henna. Bereits in dieser Zeit wurde der Vokal lang (han) bzw. kurz (henna) gesprochen.“
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„Wissen Sie das genau? Könnte nicht auch *han-jō vor *hanōn da gewesen sein und Männchen der Henne geheißen haben? Wie können Sie da so sicher sein?“, hakte Frau Kurz nach.
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„Warum der Hahn bei den Germanen der dominantere Begriff war kann man an der Bedeutung ablesen. Das Wort Hahn = * hanōn kommt in vielen germanischen Sprachen vor (gotisch, altnordisch, altfriesisch = hana). Es bedeutete ursprünglich: der Sänger. Mit seinem morgendlichen ‚Geschrei’ drängte sich der Hahn in den Vordergrund – auch sprachlich. Die Frauen waren eben früher viel stiller. Das hat sich ja leider geändert. …“
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„Herr Aaaaalt!“, unterbrach Frau Kurz mit bösem Blick.
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„Ist ja schon gut. – Bei den Ahnen der Ahnen der Germanen wurden dem Hahn magische Kräfte zugesprochen. Man glaubte nämlich, dass er mit seinem Gesang in der Lage war, den Morgen herbeizurufen – und nicht umgekehrt, wie wir heute glauben. Blieb der Hahnenschrei einmal am Morgen aus, so drohte Unheil. Kein Tag also, an dem man auf die Jagd gehen oder gar Krieg führen sollte. Und wenn der Hahn am Morgen krächzte anstatt zu krähen, dann gab es schlechtes Wetter. Diese Vorstellung, dass der Hahn das Wetter voraussagen kann, hat sich bis heute gehalten. Auch der Wetterhahn auf den Kirchtürmen hat einen Ursprung in der alten germanischen Mythologie Solche magischen Fähigkeiten hatte die Henne natürlich nicht. Sie blieb ja morgens still“, ergänzte Herr Alt mit einem schmunzelnden Seitenblick auf Frau Kurz.
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„Lieber Herr Alt! Ich vermute, dass diese magische Kraft, die den Hähnen zugeschrieben wurde, noch sehr viel älter ist. Wir finden den Hahn als Sänger auch noch in anderen Sprachen (siehe hierzu die Übersetzungen unten).
- russisch: петух (petuch) = Hahn, пет (pet) = singen
- litauisch: gaidýs = Hahn, gáida = Gesang
- lateinisch: can-ere = singen
- ... “
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„ ... und der weiße Hahn als Symbol für den Lichtgott und der rote Hahn als Symbol für den Feuergott und der schwarze Hahn als Bild des Teufels und ...”
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„Herr Aaaaaalt!” Die Geduld von Frau Kurz war offensichtlich zu Ende. „Die Frage der Kinder war doch: Warum schreiben wir Henne und nicht *Hänne“, versuchte Frau Kurz nun das Gespräch wieder auf den Punkt zu bringen.
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„Die Unterscheidung von Hahn und Henne hat sprachlich schon sehr früh bestanden. Dies wurde dann – auch in der Schreibung – immer weiter fortgeführt (Sprachtradition). Die Kennzeichnung des Langvokals mit einem Dehnungs-h ist im übrigen sehr viel später (vermutlich 16. Jhd.) entstanden.“
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„Nun gut, Herr Alt“, meldete sich jetzt Herr Wort wieder zu Wort. Anders wäre Herr Alt auch nicht zu bremsen gewesen. Er wollte nämlich gerade anfangen auch noch die Sprachgeschichte des Huhns zu erzählen. „Ich muss also meine Regel mit dem Wortstamm ergänzen:
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Die Schreibung des Wortstammes bleibt in Ableitungen erhalten – falls nicht Sprachtraditionen dem entgegenstehen. -“
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„Mal ehrlich: Bei wie vielen Wörtern kommt das vor?“ fragte nun Frau Kurz.
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„Das weiß ich nicht. Sehr oft jedenfalls nicht.“, meinte Herr Alt.
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„Also dann sollten wir doch für Kinder die kurze Form der Regel lassen.“
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Dieser Einschätzung von Frau Kurz kann ich mich nur anschließen. Wenn wirklich einmal ein Kind Hänne schreibt, dann sollten wir uns über so viel Sprachkompetenz freuen.
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Nachtrag: Frau Fremd hat sich nach der Diskussion hingesetzt und schlägt gerade noch weitere Sprachen nach um zu erkunden, in welchen Sprachen der Hahn als Sänger sonst noch vorkommt. Gespannt bin ich auch auf die Ergebnisse von Herrn Satz. Der hat sich zwar nicht an der Diskussion beteiligt, kann aber von vielen Redensarten berichten, die mit dem Hahn und seiner Geschichte verbunden sind. Schließlich hat Herr Wort noch eine Sammlung mit „Hahnenwörter” erstellt. Die Liste findet ihr unten auf der Seite. Auch hier gibt es noch einiges zu entdecken.
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Übersetzungen, Fremdsprachen
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MWS 3 Nr. 734 AL-LV
Wortart: Nomen
Ableitungen: der Hahn, die Hähne
Verben: -
Nomen: -
Adjektive: -
Personenbezeichnungen: Hahnrei
sonstige: Hähnchen
Zusammensetzungen: Brathähnchen, Hahnenfeder, Hahnenfuß, Hahnenkampf, Wasserhahn, Hahnenfußgewächs, Hahnenkamm, Hahnenschrei, Hahnentritt, Hahnenfußmuster, Knurrhahn, Truthahn, Wetterhahn, Auerhahn, Absperrhahn, Abstellhahn, Gashahn, Haupthahn, Schwenkhahn, Wasserhahn, Zapfhahn, Auerhenne, Bruthenne, Fetthenne, Truthenne
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Weitere Wortzusammensetzungen, die nicht auf der Karteikarte des Modellwortschatzes aufgeführt sind.
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Abflusshahn, Ablasshahn, Absperrhahn, Abstellhahn, Auerhahn, Ausflusshahn, Auslasshahn, Backhähnchen, Benzinhahn, Bierhahn, Birkhahn, Brathähnchen, Dreiwegehahn, Einweghahn, Entleerungshahn, Entlüftungshahn, Fasanenhähne, Fasshahn, Feuerhahn, Flughahn, Gashahn, Geldhahn, Gockelhahn, Goldhähnchen, Grillhähnchen, Hähnchen, Hähnchenflügel, Hähnchenkeule, Hähnchenschlegel, Hähnchenschnitzel, Hahnenbalken, Hahnenfeder, Hahnenfuß, Hahnenfußgewächs, Hahnenfußschlüssel, Hahnenkamm, Hahnenkampf, Hahnenkampfplatz, Hahnenküken, Hahnenruf, Hahnenschrei, Hahnenschwanz, Hahnensporn, Hahnentritt, Hahnrei, Hahnschlüssel, Hahnsicherung, Haupthahn, Kampfhahn, Kanarienhahn, Kapphahn, Knurrhahn, Leitungshahn, Luftablasshahn, Luftabsperrhahn, Masthähnchen, Ölhahn, Piephahn, Platzhahn, Quetschhahn, Schlaghahn, Schwenkhahn, Sperrhahn, Spielhahn, Spundhahn, Standhahn, Streithahn, Truthahn, Turmhahn, Vierwegehahn, Warmwasserhahn, Wasserablasshahn, Wasserhahn, Wasserhahnfilter, Wetterhahn, Zapfhahn, Zinshahn, Zweiwegehahn
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Quellen: verschiedene Wörterbücher. Links zu www.canoo.net
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Hahnwörter nach Themen sortiert:
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Geflügel: Auerhahn, Birkhahn, Fasanenhähne, Gockelhahn, Hähnchen, Hahnenküken, Kampfhahn, Kanarienhahn, Kapphahn, Masthähnchen, Platzhahn, Spielhahn, Truthahn
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Geflügelteile, sonstige: Backhähnchen, Brathähnchen, Grillhähnchen, Hähnchenflügel, Hähnchenkeule, Hähnchenschlegel, Hähnchenschnitzel, Hahnenfeder, Hahnenkamm, Hahnenkampf, Hahnenkampfplatz, Hahnenruf, Hahnenschrei, Hahnenschwanz
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Geflügel im übertragenen Sinne: Hahnentritt, Hahnrei, Piephahn, Streithahn, Turmhahn, Wetterhahn, Zinshahn
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Fische, Vögel, Pflanzen: Flughahn, Knurrhahn, Hahnenfuß, Hahnenfußgewächs, Hahnensporn, Goldhähnchen
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Absperrhahn: Abflusshahn, Ablasshahn, Absperrhahn, Abstellhahn, Ausflusshahn, Auslasshahn, Benzinhahn, Bierhahn, Dreiwegehahn, Einweghahn, Entleerungshahn, Entlüftungshahn, Fasshahn, Feuerhahn, Gashahn, Hahnsicherung, Haupthahn, Leitungshahn, Luftablasshahn, Luftabsperrhahn, Ölhahn, Schwenkhahn, Sperrhahn, Spundhahn, Standhahn, Vierwegehahn, Warmwasserhahn, Wasserablasshahn, Wasserhahn, Zapfhahn, Zweiwegehahn
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Werkzeug, sonstige: Geldhahn, Hahnenbalken, Hahnenfußschlüssel, Hahnschlüssel, Quetschhahn, Schlaghahn, Wasserhahnfilter
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Copyright Norbert Sommer-Stumpenhorst 2007-2010
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