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Wenn Kinder sich mit Hilfe der Anlauttabelle ein Wort erarbeiten, dann
- sprechen sie das Wort,
- achten auf den Laut am Wortanfang
- suchen in der Anlauttabelle das passende Bild
- und kopieren den zugehörigen Buchstaben
Nun geht der gleiche Vorgang von neuem los:
- Das Wort wird gesprochen,
- die Aufmerksamkeit auf den zweiten Laut ausgerichtet,
- das passende Bild gesucht und
- der zugehörige Buchstabe kopiert.
Da jeder bearbeitete Laut in Form des dazugehörigen Buchstabens festgehalten wird, braucht das Kind seine Aufmerksamkeit immer nur auf einen Laut auszurichten. Auch wenn das Kind noch nicht lesen kann,
entsteht so Buchstabe für Buchstabe ein ganzes Wort. Der Schlüssel liegt also in der Reduzierung der Aufmerksamkeit auf einen einzelnen Laut. Und genau hierin liegt im umgekehrten Vorgang, dem Lesen, das
Problem: Wenn ein Kind ein Wort mit Hilfe der Anlauttabelle lesen will, dann müsste es:
- den ersten Buchstaben in der Anlauttabelle suchen,
- das zugehörige Wort des Anlautbildes sprechen
- auf den Laut am Wortanfang achten und
- den Klang anhalten.
Wenn das Kind nun den Laut für den zweiten Buchstaben in gleicher Weise auf der Anlauttabelle bestimmen will, ist der Klang des ersten Buchstabens verloren. Es gibt keine Möglichkeit diesen Klang
irgendwie festzuhalten. Das ist der Grund, warum die Kinder die Anlauttabelle für das Erlesen eines Wortes nur begrenzt nutzen können. Zwar ist es möglich, sich den Lautwert eines einzelnen Buchstabens
oder eines kurzen Wortes zu erschließen, bei längeren Wörtern versagt hier jedoch unser Gedächtnis.
Beim Lesenlernen müssen wir also nach anderen Möglichkeiten suchen, den Lautwert eines Buchstabens festzuhalten. Der Trick besteht zunächst darin, den Klang eines Lautes zu dehnen. Dies gelingt am
leichtesten beim Schreiben. Die Kinder sprechen den Lautwert des zu schreibenden Buchstabens und halten dabei den Klang so lange an, bis der Buchstabe fertig geschrieben ist.
Indem die Hör-, Schreib-, und Differenzierungsübungen zusammengebracht werden bilden die Kinder eine feste Assoziation zwischen Laut und Buchstaben aus. Diese feste Verankerung ist die Voraussetzung für das Lesen.
Je sicherer diese Verankerung ist, desto schneller kann das Gehirn des Kindes dem gesehenen Buchstaben einen Laut zuordnen und den Lautwert des Buchstabens sprechen. Und je
schneller diese Zuordnung gelingt, umso ähnlicher wird die gesprochene Lautfolge dem bekannten Klang des Wortes. Hier hat J. Reichen recht: Das Lesen folgt dem Schreiben und ergibt sich aus diesem fast
selbstverständlich.
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