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N. Sommer-Stumpenhorst
2000-2010

letze Aktualisierung
17.08.2010
 

Die Lesegewohnheiten haben sich in den letzten hundert Jahren mehrfach gravierend geändert. Es ist nicht mehr nur allein das Buch oder die Zeitung, sondern zunehmend der Computer und das Internet, für das wir das Lesen brauchen. Dabei werden ganz andere Lesehaltungen und Lesetechniken benötigt.

1. Lesen schöner Bücher

Hier kommt es vor allem auf Lesegemütlichkeit an. Es wird eine Atmosphäre geschaffen, die zu dem schönen Buch passt, die es ermöglicht, sich auf die Geschichte einzulassen und in der Fantasie die Bilder der Geschichte entwickeln zu lassen.

Durch das Fernsehen haben Kinder heute viel weniger Erfahrung darin, eigene Bilderwelten beim Lesen entstehen zu lassen. Gemütliche Leseecken, Ruheübungen vor dem Lesen und Bilder malen nach dem Lesen schaffen hier Erfahrungs- und Gestaltungsräume, die Kinder brauchen, um sich auf schöne Bücher einzulassen. Inhaltsabfragen, Nacherzählungen und Berichte über das gelesene Buch verhindern oftmals, dass Kinder sich auf Bücher einlassen. Hilfreicher ist es, die Kinder schildern zu lassen, was ihnen an dem Buch gefallen hat, eine Art “Werbeseite” zu schreiben, um anderen Kindern das Buch “schmackhaft” zu machen.

2. Informationsaufnahme

Wir leben in einer Informationsgesellschaft, in der die Rechtschreibung durch den Einsatz der

Preiswerte Softwarelösungen mit erstaunlichem Leistungsvermögen sind heute schon unter 100 DM zu bekommen; z. B. Logox von GDATA-Software, Bochum 1997.

Computer immer unwichtiger wird. Zwar gibt es heute schon “sprechende Computer”, die Geschriebenes vorlesen können. Zur raschen Informationsaufnahme sind solche Vorleseprogramme jedoch ungeeignet, da die Sprache viel zu langsam ist.

So wird die Wissensaufnahme durch Lesen, gerade durch die Technisierung, immer wichtiger. Die schnelle Informationsaufnahme gewinnt durch den stetig steigenden Wissensumsatz immer mehr an Bedeutung. Der größte Teil allen Wissens  (85 %) wird über das Lesen aufgenommen. Und das hat sich in den letzten 50 Jahren kaum verändert. Der Unterschied zu früher ist, dass wir heute viel mehr Wissen aufnehmen müssen, um ertragreich studieren zu können und um die vielfältigen Veränderungen in der Berufswelt nachvollziehen zu können.

Schnell lesen können und in kurzer Zeit viel von dem Gelesenen behalten und verarbeiten ist heute wichtiger denn je. Das flüssige Lesen der Kinder am Ende der Grundschule reicht heute nicht mehr aus. Es muss daher in den weiterführenden Schulen systematisch weiterentwickelt und trainiert werden.

3. Informationen suchen

Früher war Wissen Macht. Viel zu wissen wurde gleichgesetzt mit Intelligenz. Das ist heute anders. Das Wissen von einer Sache verändert sich so schnell, dass selbst die Experten eines Fachgebietes dies nur selten überblicken. Der Wissenszuwachs geht in so rasantem Tempo voran, dass die Spezialgebiete der Wissenschaft immer enger werden müssen, um noch etwas überschauen zu können.

Demzufolge kommt es heute mehr den je darauf an, Informationen zu selektieren, sie gezielt auf eine Fragestellung hin zu durchsuchen. Vor allem die Arbeit im Internet verlangt vom Leser einen hohen Grad an schneller Auffassungsgabe, um die “Spreu vom Weizen” zu trennen.

Hierauf müssen Kinder vorbereitet werden. Sie müssen lernen, in Texten das Wesentliche zu erfassen, gezielt nach “Reizwörtern” zu suchen und mehrere solcher “Reizwörter” zugleich im Kopf zu behalten. Dies verlangt eine ganz andere Art des Lesens. Und auch dies muss in der Schule vermittelt werden.

 

Das Lesen zu lehren ist nicht allein Aufgabe der Grundschule. Viel zu oft ist für die Schule der Leselernprozess mit der Lautsynthese abgeschlossen. Danach geht man davon aus, dass sich alles “wie von selbst” dadurch ergibt, dass Kinder viel lesen.

Wir müssen in der Schule ein durchgängiges Lesekonzept von Klasse 1 bis Klasse 10 entwickeln, dass den verschiedenen Ansprüchen, die an das Lesen gestellt werden, gerecht wird. Das Lesen muss zu einem

  • gezielten Suchen nach Informationen,
  • einem Schnell-lesen-können und
  • und zu einer genussvollen Freizeitbeschäftigung

weiterentwickelt werden.

 

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